[b][u]Kapitel 8  Die Katze ist aus dem Sack[/u][/b]
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Auf der Suche nach ein paar leckeren Nagern, streifte Dexter am Waldrand entlang, der an eines der Kornfelder des Bauern angrenzte. Zu dieser Zeit trieben sich dort oft Muse, Eichhrnchen, Hamster, Marder, Kaninchen oder andere Leckerbissen herum, um nach dem Getreide und Samen zu suchen. Wenn Dexter Tod schon nicht fressen konnte, dann wollte er wenigstens versuchen, ein paar von seinen Freunden oder Verwandten zu erwischen.

Doch noch bevor er auch nur einen der schmackhaften Appetithppchen zu Gesicht bekam, tauchte eine ganz bestimmte Maus wieder auf  Tod!

Unter dem alten Holzzaun sitzend, der den Acker umschloss, streckte er dem Fuchs die Nase entgegen. Na, Dex, wie gehts?

Bis eben gerade noch gut, brummte er und setzte sich vor der Maus hin. Was willst du jetzt schon wieder?

Och, unsere letzte Begegnung verlief ja nicht so besonders, da dachte ich, ich sehe mal nach, ob du dich wieder beruhigt hast.

Die Frsorge der Maus rhrte Dexter herzlich wenig. Es wrde mir noch viel besser gehen, wenn du wieder verschwinden wrdest, Tod, sagte er ihm ins Gesicht. Was ist blo ber dich gekommen, vor meinem Bau aufzukreuzen? Und dann auch noch, whrend Marty da war?

Die kleine Maus legte den Kopf zur Seite. Naja, meinem pltzlichen Besuch lag halt eine gewisse Dringlichkeit zugrunde. Verstehst du?

Und liegt diesem pltzlichen Besuch auch wieder eine gewisse Dringlichkeit zugrunde?, fragte Dexter, obwohl er die Antwort  bereits zu wissen glaubte.

Tod lchelte. Du fngst langsam an, unser Spielchen zu verstehen, Dex.

Ermattet von Tods Spielchen lie der Fuchs seine Vorderpfoten ber den Boden rutschen und legte sich auf den Bauch. Auf Tod nahm er dabei natrlich keine Rcksicht, sodass der Muserich schnell mit ein paar Sprngen zurcksetzten musste. Beleidigt, gekrnkt und der Wut langsam berdrssig, legte Dexter seinen Kopf zwischen die Pfoten und beobachtete die Maus, die sich wieder vor ihm auf die spindeldrren Hinterbeinchen stellte.

Nun schau doch nicht so lustlos drein, sagte Tod und trat einen Schritt nher an die groe, schwarze Fuchsnase heran, die ihm einen Hauch warme Luft entgegenstie. Diesmal hast du auch was von der Sache!

Skeptisch zog der Rotfuchs die Augenbraue hoch. Und was sollte das sein?

Unter meinem Lieblingseichenbaum, erklrte Tod, da, wo es diese leckeren Eicheln gibt, hat sich eine fette Kreuzotter eingenistet, die versucht mich zu fressen, wann immer ich dort auf Nahrungssuche gehe.

Und was genau soll ich jetzt tun?

Sie fressen natrlich!, antwortete die Maus, als htte es dem Fuchs bereits klar sein sollen. Ich locke sie raus, du schnappst sie dir und wir beide haben was zu knabbern. Jeder gewinnt!

Schlangen fra Dexter eigentlich nicht besonders gerne, andererseits war an einer Schlange aber auch mehr dran, als an ein paar mageren Musen. Aber wie auch immer. Auf keinen Fall sollte er Tod so leicht nachgeben. Er war doch nicht sein Haustier!

Protestierend setzte er zum Konter an: Also das..., doch wurde er jh unterbrochen.

Na was haben wir den hier?, fragte pltzlich eine hhnische Stimme ber den beiden.

Sofort sprang Dexter auf, um zu sehen, wer da gesprochen hatte. Ein paar Schritte das Feld hinab, balancierte Minka, die Katze des Bauern, ber den alten Holzzaun ein Stck auf sie zu. Die Katze, die er so oft schon durch den Wald gehetzt hatte.

Gehssig grinste die Katzendame auf das ungleiche Paar herab, whrend ihr Schwanz hinter ihr hin und her schwenkte, um das Gleichgewicht zu halten. Da schleicht man, still und heimlich, seinem Mittagessen hinterher und dann fhrt es einen zu seinem besten Freund: einem Fuchs!

Schwer in Panik geratend rasten Dexters Gedanken in seinem Kopf. Wie viel hatte die Katze gehrt? Was wusste sie? Und was sollte er nun tun?

Und nicht nur das!, fuhr Minka fort. Dann hre ich auch noch mit an, wie sie  GEMEINSAM  einen hinterlistigen Plan aushecken, um ein Tier des Waldes zu tten! Triumphierend ragte sie mit dem Kopf auf und lachte Maus und Fuchs niedertrchtig an: Was wohl die anderen Tiere dazu sagen werden?

Grimmig, aber immer noch beherrscht, setzte sich Dexter zur Wehr: Ich wei ja nicht, was du glaubst gesehen oder gehrt zu haben, aber..., wieder unterbrach ihn die Katze.

Aber was?!, fauchte sie ihm entgegen. Nein, nein, warte! Spar dir das lieber noch auf. Wenn ich erst Hektor davon erzhlt habe, wirst du dich schon bald auf einer eurer lustigen Versammlungen vor allen Tieren des Waldes erklren mssen.

Gar nichts wirst du Hektor erzhlen!!!, knurrte Dexter zurck.

Aber die Katze schien sich ihrer sicher. Ach ja? Versuch doch, mich davon abzuhalten! Und mit dem letzten Wort sprintete Minak ber den Zaun, machte einen groen Satz und zischte in Richtung Wald.

Sofort nahm Dexter die Verfolgung auf. Tod versuchte noch ihm hinterher zu rufen, aber der Fuchs hatte nur noch ein Ziel vor Augen: Die Katze zu erwischen, bevor sie sein Geheimnis ausplaudern konnte. Und dieses Mal wrde es keine Abmachungen und keine Erpressungen geben! Dieses verlauste Haustier wrde er fr immer zum Schweigen bringen!

Minkas Vorsprung hatte er schnell wieder aufgeholt, aber die Katze war verflixt schnell, und dazu auch noch kleiner und wendiger als Dexter. Was die Hatz fr den Rotfuchs nicht gerade einfacher machte war auerdem, dass Minka, wann immer mglich, versuchte ihn abzuhngen, indem sie sich ihren Weg durch das Dickicht suchte, wo der grere Fuchs ihr schwerer folgen konnte. Immer wieder versperrten ihm ste und Buschwerk den Weg  Hindernisse, an denen sich die Katze mit ihrem geschmeidigen Krper leicht vorbeizwngen konnte.

Aber so leicht lie Dexter sich nicht abschtteln! Blind vor Wut strmte er durch jedes Hindernis hindurch, egal wie viele Bltter und Ranken ihm ins Gesicht peitschten und egal wie vielen sten er ausweichen musste. Schnaubend mobilisierte er all seine Krfte und zwang seine Beine schneller zu rennen. Das kochende, pulsierende Blut in und der rauschende Wind um seine Ohren war das einzige, was er noch hren konnte, und das einzige was er noch sah, war das graue Hinterteil seiner Beute, welche immer noch nicht nahe genug war, um sie greifen zu knnen.

Im letzten Moment dann, sprang Minka einen Baum an und schlug ihre Krallen in die Rinde. In Windeseile kletterte sie, fast wie ein Eichhrnchen, den senkrechten Stamm empor und brachte sich auf einem hohen Ast in Sicherheit. Nur Sekundenbruchteile, bevor Dexter den Baum erreichte und ihn keifend ansprang.

Doch mit den scharfen Klauen der Katzendame konnten seine stumpfen Krallen nicht mithalten. Mit seinen Pfoten fand er an dem glatten Stamm keinen Halt und so war Minka nun unerreichbar fr ihn. Verzweifelt und auer sich sprang er wieder und wieder den Baum an und landete ein ums andere Mal unsanft auf dem harten, staubigen Boden.

Als sein letzter, fruchtloser Versuch, die Katze zu erreichen, damit endete, dass er schmerzhaft mit der Flanke voraus auf einer hervorragenden Wurzel landete, wurde Dexter klar, dass er so nicht an sie herankommen wrde. Zornig funkelten seine Augen Minak an, als er den Stamm hinaufknurrte: Glaubst du etwa, da oben bist du sicher?! Ich warte hier so lange, bis du wieder runter kommst!

Zufrieden grinste Minka zu ihm hinunter. Ach, ist das so?, fragte sie whrend sie triumphal auf ihrem Ast hin und her schlenderte. Hast du dich mal umgesehen?

Aus seinem Verfolgungsrausch erwacht, stellte Dexter fest, dass er tatschlich nicht darauf geachtet hatte, wo er hingefhrt wurde. Nun aber erffnete sich ihm die bedrohliche Realitt. Der Baum, auf den sich Minak retten konnte, grenzte direkt an das Anwesen des Bauern an. Der Weg, den sie genommen hatten, musste dicht am Waldrand entlanggefhrt haben, dort, wo die Felder und Weiden des Bauernhofes begannen.

Pltzlich fing die garstige Katze laut an zu rufen. Charly!, miaute sie von ihrem Ast aus. Charly, wo bist du? Komm schnell her! Der Fuchs ist wieder da!!!

Keinen Augenblick dauerte es, bis von dem Hof her das Gebell des Wachhundes zu hren war. Grauenvoll knurrend und die Zhne fletschend starrte Dexter die verhasste Katze noch einmal an, und wenn Blicke tten knnten, wre sie gewiss in diesem Moment vom Baum gefallen.

Man sieht sich, Flohpelz!, frotzelte Minka, endlich ihres Sieges sicher.

Bedauerlicherweise war auch Dexter dazu gezwungen, den Triumph der Katze anzuerkennen. Um dem Kter des Bauern in seinem erschpften Zustand noch entkommen zu knnen, blieb ihm nichts anderes brig als unverzglich den Rckzug anzutreten.

Vielleicht, dachte er, als er schmachvoll vom Jger zum Gejagten wurde, wre es besser gewesen, sich dem Hund zu stellen? Einen Kampf htte er zwar nicht mehr gewinnen knnen, aber sein Leben war nun ohnehin vorbei...

